Kindle Touch

 

Kindle Touch (1)

 

Kindle Touch: ein E-Book-Reader zum „Anfassen“

Mehr als sechs Monate nach dem offiziellen Verkaufsstart des Kindle Touch in den USA schickt sich dieser nun an, auch den deutschen E-Book-Reader-Markt zu erobern. Doch ist der Bruder des Kindle 4 eReaders wirklich besser? Lohnt sich der Aufpreis von 30 Euro? Diese und weitere Fragen beantworten wir in unserem Test.

Knapp eine Woche haben wir dafür Amazons handzahme Kindle-Variante (ohne 3G) auf Herz und Nieren geprüft.

Hinweis: Dieser Test stammt aus dem Jahr 2011; der getestete Kindle „Touch“ ist nur noch gebraucht erhältlich.

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Erster Eindruck

Der Lieferumfang gleicht dem des Kindle eReader auf das Haar: In der handlichen Box befindet sich neben dem Gerät eine kurze Anleitung in vielen Sprachen (jeweils zwei (!) Seiten lang), die Garantiebestimmungen und ein Verbindungskabel für den PC, mit dem sich der Kindle Touch aufladen lässt. Dieser Minimalismus ist zwar bedauerlich, aber immerhin befindet sich ein umfangreiches Handbuch in deutscher Sprache direkt auf dem Kindle. Ein Netzteil, um den Kindle Touch auch ohne PC-Verbindung zu laden, schlägt mit ungefähr zehn Euro extra zu Buche.

Der Kindle Touch

Optisch ähnelt der Kindle Touch seinem günstigeren Pendant nur auf den ersten Blick. Die Farbe – ein schlichtes, mattes grau – ist geblieben. Auch der Bildschirm ist von derselben Größe. Doch beim Kindle Touch sitzt er tiefer im Gehäuse. Der Grund ist simpel: Die Touch-Funktion funktioniert über ein Infrarot-Netz, welches unsichtbar über dem Bildschirm des E-Book-Readers schwebt. Neben der Tiefe ist der neue Kindle auch etwas breiter und höher. Allerdings handelt es sich nur um wenige Millimeter.

Gravierender erscheint schon im ersten Moment der Gewichtszuwachs. 43g (gar über 50g wären es bei der 3G-Version), machen sich bereits nach wenigen Sekunden bemerkbar. Natürlich ist das immer noch leichter als die meisten Bücher, aber insgesamt trotzdem ein Rückschritt, welcher den technischen Neuerungen geschuldet sein dürfte.

Die Verarbeitung erscheint uns einen Tick schlechter als beim Kindle eReader. Der hintere Gehäusedeckel gibt minimal nach. Trotzdem kann man der Verarbeitung insgesamt eine gute Qualität attestieren.

Daten und Fakten zum eReader

Auf der Haben-Seite, verbucht der Kindle Touch dafür zunächst einen doppelt so großen Speicher, welcher von 2 GB auf 4 Gigabyte aufgestockt wurde und nun rund 3.000 Büchern eine Heimat bieten kann. Auch die Akkulaufzeit will Amazon verdoppelt haben (eine Aufladung dauert etwas länger als beim Kindle eReader, etwa vier Stunden). Das muss sich allerdings erst über einen längeren Zeitraum bestätigen. Der Prozessor arbeitet immer noch im selben Takt.

Kindle-Touch von hinten: die Lautsprecher

Audio-Freunde können aufatmen: Der Kindle Touch verfügt dieses Mal wieder über Ton. Ein Audio-Ausgang an der Unterseite, und sogar zwei kleine Lautsprecher auf der Rückseite (die natürlich keinen satten Sound liefern, aber ihre Aufgabe zuverlässig erfüllen), sorgen für die nötige Akustik. Auch eine Text-to-Speech-Funktion ist mit an Bord, funktionierte in unserem Test aber hauptsächlich mit englischen Texten. Bei deutschen Texten hört sich die Funktion (die meist gar nicht verfügbar ist) zwar lustig an, ist aber unbrauchbar.

Der Kindle Touch hat als letztes Modell noch Lautsprecher - alle Nachfolger verzichten bis heute darauf

Der Kindle Touch hat als letztes Modell noch Lautsprecher – alle Nachfolger verzichten bis heute darauf

Bedienung per Touchscreen: Kindle Touch in seinem Element?

Auf der Vorderseite verfügt der Kindle Touch lediglich über eine Taste. Der geriffelte, schwarze Button übernimmt die Funktion einer Home-Taste, und befördert den Nutzer von jedem Menu aus auf den Startbildschirm, eine Art Desktop. An der Unterseite findet sich neben dem erwähnten Audio-Eingang, der Ein/Aus/Standby-Knopf und der Eingang für das beliegende Mini-USB-Kabel.

Wie gut lässt sich der Kindle Touch bedienen?

Wie gut lässt sich der Kindle Touch bedienen?

Der Startbildschirm sieht nun übersichtlicher aus als beim Vorgänger. Neben einem Suchfeld für den Amazon-Shop und einem Menu-Schalter, wirkt er insgesamt aufgeräumter. Das Menu weist ein bekanntes Erscheinungsbild auf. Lediglich der experimentelle Bereich heißt nun Beta-Funktionen.

Die Bedienung mit dem Touchscreen funktioniert tadellos. Sei es das Eintippen von Buchstaben oder das Navigieren durch die (immer noch logisch und gut strukturierten Menus), welches nun erheblich schneller von der Hand geht. Vertippt haben wir uns im Test nur selten. Gerade die virtuelle Tastatur lässt genügend Zwischenräume, die dieses Phänomen minimieren. Innerhalb eines Buches gibt es zwei Arten umzublättern.

Das von Smartphones und Tablets bekannte „Wischen“ und – das zu bevorzugende – Tippen. Lediglich eine kurze Berührung auf den rechten bzw. linken Bildschirmrand genügt, um sich auf der nächsten Seite wiederzufinden. EasyReach nennt Amazon diese neue Funktion, die anstandslos funktioniert und schnell zum Automatismus verkommt. Hält man den Finger kurz gedrückt, kann man ein Wort markieren, um entweder das (integrierte) Wörterbuch aufzurufen, oder an dieser Stelle eine Notiz einzufügen, Wikipedia aufzurufen und so weiter. Es ist allerdings schon mehr Übung gefragt, wenn man ein Wort am Rand markieren will, anstatt umzublättern. Ein Doppelklick auf den oberen Bildschirmrand ruft das Menu hervor. Auch hierbei kann es ab und an zu unerwünschten Ergebnissen kommen. Die Schriftgröße-Verstellung mit zwei Fingern klappt dagegen erstaunlich gut.

Insgesamt müssen wir dem Kindle Touch eine gute und intuitive Bedienbarkeit bescheinigen. Der Touchscreen funktioniert zuverlässig und mit ein bisschen Erfahrung auch nahezu immer korrekt. Der Mehrwert dieses Features macht sich vor allem außerhalb des Lesens bemerkbar. So wird das Surfen oder Shoppen mit dem Kindle Touch um einiges komfortabler und vor allem schneller. Die deutschen Menus sind alles andere als verschachtelt, und tragen dazu noch bei.

Die Bildschirm-Referenz

Kindle-Touch: der Bildschirm

Der Bildschirm ist zum Lesen nach wie vor erstklassig. Dank eINK-Technologie macht das Lesen bei genügend Lichteinstrahlung viel Spaß. Sofern es nicht zu dunkel wird. Denn dann sieht es im wahrsten Sinne des Wortes düster aus. Die Größe, die Auflösung und die verfügbaren Graustufen sind gleichgeblieben und auch sonst konnten wir keine Unterschiede zum alten Kindle feststellen, weswegen wir an dieser Stelle auf den Eindruck des Bildschirms in unserem Kindle 4-Test verweisen. Trotzdem sei gesagt: Der Bildschirm des Kindles gehört nach wie vor zu dem besten, was man ihm E-Book-Reader-Segment bekommt.

Die Nachteile der Technologie werden vor allem offensichtlich, wenn man scrollen muss (was dank Touch wunderbar funktioniert). Einen Moment braucht es immer, bis sich der Bildschirm neu eingerichtet hat, weswegen man nicht von einem flüssigen Bildaufbau sprechen kann.

Die Lese-Erfahrung

Wie befürchtet, macht sich das zusätzliche Gewicht in längeren Lese-Sessions negativ bemerkbar – gerade wenn man den leichteren Kindle gewohnt ist. Ein Riesen-Vorteil ist dagegen die Möglichkeit, Kindle-Bücher nun auch im Querformat zu lesen. Das ist nicht nur abwechslungsreich, sondern gefiel uns im Test fast besser, als die Hochkant-Variante.

Macht Spaß: Das Lesen mit dem Kindle Touch (Bild: Amazon)

Macht Spaß: Das Lesen mit dem Kindle Touch (Bild: Amazon)

Das Lesezeichensystem wurde geändert. Ein simpler Klick auf den oberen, rechten Bildschirmrand einer Seite genügt, und ein kleines Dreieck als Lesezeichen erscheint. Mit demselben Vorgang lässt es sich auch entfernen. Per Menu ist die die Option zusätzlich anwählbar. Die integrierte Übersetzungsfunktion arbeitet recht zuverlässig und liefert brauchbare Ergebnisse. Die integrierte Weiterleitung zu Wikipedia kommt in der einen oder anderen Situation ebenfalls gelegen.

Insgesamt macht das Lesen auf dem Kindle Touch Laune – vor allem durch die erweiterte, vereinfachte Bedienbarkeit.

Fazit Kindle-Touch: Vorsprung durch Technik

Gegenüber dem letzten Kindle hat Amazon eine ganze Schippe draufgelegt. Das Navigieren ist nun weniger Qual als Freude. Damit ist der größte Fauxpas des Kindle 4 eReaders ausgemerzt. Neuerungen wie das Querformat überzeugen ebenfalls, und auch der doppelte Speicher, die Audio-Funktion und der bessere Akku sind Features, die man gerne mitnimmt. Letztendlich können wir uns nur über Kleinigkeiten beschweren, die ein Fazit als „eierlegende-Wollmilchsau“ verhindern. Der einzige echte Nachteil ist das höhere Gewicht. Dennoch ist der Kindle Touch jeden Cent des Aufpreises wert, und kann deshalb ohne Bedenken empfohlen werden.

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Noch einmal die wichtigsten Daten im Überblick:

  • Kompakt und ausgereift
  • Mehr Speicher (im Vergleich zu älteren Modellen)
  • Heute (2016) ausgesprochen preiswert
  • Scharfes Display
  • Etwas träge Bedienung
  • Integrierte Lautsprecher
  • Keine Hintergrundbeleuchtung
  • Kein Epub-Support

 

Kurzvorstellung Kindle Touch (kein Test)

 

(Bildquellen: Amazon, Wikipedia, eigene)

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