Mit den eingebauten Wörterbüchern lässt sich der Kindle auch zum entspannten Vokabellernen nutzen.

Dank integrierter Wörterbücher auf dem E-Book-Reader lassen sich auch fremdsprachige Bücher ganz entspannt ohne weitere Nachschlagewerke lesen. (Bilder: siehe Bildhinweise)

Ab und zu möchte man ein Wort in einem Buch nachschlagen – entweder, weil man es nicht kennt
oder einfach aus Interesse. Wie praktisch ist es da, wenn man dafür nicht die Lektüre unterbrechen muss, weil die benötigten Wörterbücher in den E-Book-Reader integriert sind.

Sowohl auf dem Kindle als auch auf dem Tolino sind bereits Nachschlagewerke vorhanden. Bei Bedarf können weitere auf den E-Book-Reader geladen werden.

Wörter nachschlagen

In der Regel werden Sie direkt aus dem Buch heraus ein Wort nachschlagen wollen. Das geht bei beiden E-Book-Readern ganz einfach und bedarf kaum der Erläuterung.

… auf dem Kindle

Dies funktioniert hier genauso wie bei den Notizen und Anmerkungen: Markieren Sie einfach ein Wort und wählen dann das gewünschte Wörterbuch. Bei einigen Modellen müssen Sie dazu auf „Mehr“ tippen, um die anderen Nachschlagewerke anzuzeigen. Elegant ist der Zugriff dagegen beim Voyage gelöst; hier können Sie einfach und schnell per Wischbewegung zwischen den Wörterbüchern hin- und herspringen. Bei älteren Modellen wie dem Kindle 4 fahren Sie mit dem Cursor an die Stelle, an der das Wort beginnt. Es erscheint eine Definition, sofern das Wort im Wörterbuch gefunden wurde. Drücken Sie anschließend die Cursortaste (die mittlere Taste), um die vollständige Beschreibung des Begriffes aufzurufen. Mit der „Zurück“-Taste gelangen Sie wieder in die Leseansicht.

… auf dem Tolino

Auch bei diesem E-Book-Reader ist die Handhabung sehr intuitiv. Wer während des Lesens ein bestimmtes Wort nachschlagen möchte, tippt etwas länger auf dieses, bis sich ein Auswahlmenü öffnet. Hier lässt sich angeben, ob man eine Erklärung oder die Übersetzung des Wortes wünscht – und zwar durch einfaches Tippen auf “Nachschlagen” oder “Übersetzen“. Erklärungen erfolgen automatisch in der Sprache des Buchs, das gerade gelesen wird. Erscheint bei der Funktion “Übersetzen” das falsche Wörterbuch, kann man über die Schaltfläche “Weitere Wörterbücher” das richtige auswählen. Hier lässt sich bei Bedarf über die Auswahl der betreffenden Pfeile auch die Übersetzungsrichtung ändern.

Die Nachschlagewerke auf dem Tolino

Auf dem Tolino Vision 4 HD lassen sich die Wörterbücher komfortabel nutzen.

Auf dem Tolino Vision 4 HD lassen sich die Wörterbücher komfortabel nutzen. (Bild: Thalia)

Der Tolino ist in dieser Hinsicht nicht von vorneherein so üppig ausgestattet wie der Kindle. Anfangs verfügte der deutsche E-Book-Reader über keinerlei Wörterbücher, und auch jetzt sind nur einige wenige vorinstalliert. Aktuell sind das lediglich welche für Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch und Spanisch. Dafür ist der Tolino im Gegensatz zu Kindle für nahezu alles offen, so dass man sich praktisch sämtliche gewünschten Bücher selbst auf den Reader installieren kann.

Um die vorinstallierten Wörterbücher nutzen zu können, muss man sich bei dem im Tolino befindlichen Shop anmelden und sie über eine WLAN-Verbindung herunterladen. Ausgewählt werden sie durch bloßes Antippen über das Menü unter dem Punkt “Wörterbücher”. In diesen befindet sich nicht nur ein Fremdsprachen-Wörterbuch, sondern auch eine Art Duden, denn man kann wie bereits oben erwähnt auswählen, ob das markierte Wort “übersetzt” oder in der gelesenen Sprache “nachgeschlagen” werden soll.

Zusätzliche Wörterbücher lassen sich im quickdic-Format aus dem Wiktionary herunterladen. Es gibt hier zwar nicht alles, aber doch eine große Auswahl zum Installieren auf dem Tolino wie beispielsweise auch Hebräisch und Schwedisch. Sie können die verfügbaren Wörterbücher bei github.com sehen und herunterladen. Die gezippten Dateien müssen Sie nach dem Laden über einen Rechner mit Internetzugang auf den Tolino entpacken und im Ordner “Tolino” unter „dictionaries“ ablegen.

Die Nachschlagewerke auf dem Kindle

Drei elementare Nachschlagewerke sind in jedem Kindle ab Werk nutzbar: Wikipedia als Lexikon, das Duden-Wörterbuch und ein Übersetzungsdienst.

Wikipedia als Lexikon

Als Lexikon verwendet der Kindle Wikipedia. Nach einem Tipp auf die entsprechende Schaltfläche wird eine kurze Wikipedia-Definition angezeigt, von der Sie sich auch direkt zu Wikipedia weiterleiten lassen können. Scrollen Sie dazu bis ans Ende der Definition. Sie können dazu wie bei Smartphones und Tablets mit dem Finger von unten nach oben „wischen“. Sie brauchen dazu jedoch eine Internetverbindung. Wenn Sie gerade kein Buch lesen, können Sie den gewünschten Begriff auch direkt in das Suchfeld auf der Startseite eingeben. Wählen Sie auf der Startseite die Lupe aus und tippen Sie den Suchbegriff ein. Wenn „Überall suchen“ eingestellt ist, erscheint eine Liste mit den Suchtreffern. Ganz unten befi nden sich die Treffer bei „Wikipedia“. Per Fingertipp werden Sie nun bei aktiver Internetverbindung zu Wikipedia geleitet.

Wörterbücher

Noch einfacher als die Wikipedia-Definition wird das „Wörterbuch“ aufgerufen – es öffnet sich bereits standardmäßig beim Markieren eines Wortes. Als Quelle wird das Duden-Universalwörterbuch verwendet. Sie können das auch ändern und beispielsweise ein spezielles Synonym-Wörterbuch installieren. In den meisten Fällen ist man aber mit dem Duden am besten bedient.

Mit einem Kindle Voyage kann man besonders bequem zwischen den drei Nachschlagwerken wechseln.

Zwischen den drei Nachschlagwerken kann man wechseln.

Für jede Sprache kann der Kindle ein eigenes Wörterbuch verwenden. Ab Werk ist je eines für Deutsch und Englisch vorinstalliert. Wichtig dabei: Beim englischen Wörterbuch handelt es sich nicht um eine Übersetzungshilfe, diese Funktion hat Amazon separat realisiert. In der Standardvariante kommt stattdessen das „Oxford Dictionary of English“ zum Einsatz, welches englische Begriffe mit englischen Erklärungen erläutert. Das Werk dürfte vielen noch aus der Schulzeit bekannt sein.

Bei vielen Kindle-Readern ist zusätzlich das „New Oxford American Dictionary“ vorinstalliert; dieses funktioniert genauso wie das erstgenannte Wörterbuch, nur dass es sich auf US-amerikanische statt britische Vokabeln versteht. Wenn zu einem Buch Erklärungen in der falschen Sprache auftauchen, so liegt das in der Regel nicht am Kindle oder den Wörterbüchern – der Autor oder Verlag hat dann schlicht die falschen Spracheinstellungen gewählt. Dies kam früher häufiger vor, mittlerweile haben die Verleger die Einstellung aber besser im Griff.

Übersetzungsdienst

Das dritte eingebaute Nachschlagewerk ist der Übersetzungsdienst. Einzelne Wörter können Sie in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzen lassen. Klicken Sie dazu beim Basis-Kindle und dem Paperwhite auf „Mehr“ und wählen dann „Übersetzung“; durch die Liste der Sprachen können Sie mit dem Finger ­scrollen, es stehen insgesamt 16 Sprachen zur Verfügung. Übrigens: Sie können mit dem Kindle auch Sprachen lernen, wie wir hier beschrieben haben.

Die Richtung bleibt für dieses Buch gespeichert. Die Übersetzung stammt von der Microsoft-Suchmaschine „Bing“, weshalb eine Internetverbindung für den Service notwendig ist. Bei Leseproben ist die Funktion nicht verfügbar.

Insider-Tipp: Wikipedia auf dem Kindle

Wikipedia komplett auf den Kindle zu bekommen, etwa für die Offline-Nutzung, ist gar nicht so leicht. In der Vergangenheit gab es hin und wieder für den Kindle lesbare Mobipocket-Versionen der Wikipediaseite, diese waren aber oft zu groß und die Verlinkung funktionierte teils nicht korrekt.

Das einzige einigermaßen ernst zu nehmende Projekt ist unter http://wiki-as-ebook.sourceforge.net zu finden. Weil die komplette Wikipedia-Artikelsammlung mit rund vier Gigabyte (ohne Bilder) zu groß für aktuelle Kindles ist, werden einzelne Sachgebiete separat zum Download angeboten – leider nur gegen Bares, ein Thema kostet knapp drei Euro. Die heruntergeladenen Dateien müssen dann noch mit Calibre umgewandelt werden, damit sie der Kindle darstellen kann.

Wirklich praktikabel ist das nicht. Eine Alternative ist es, einzelne Artikel zusammenzukopieren und diese für die Offline-Nutzung auf den Kindle zu kopieren. Das geht sogar ohne Hilfsmittel: In der linken Spalte findet sich bei Wikipedia in der Sektion „Drucken/­exportieren“ der Menüpunkt „Buch erstellen“. Wenn Sie diesen aktivieren, ist fortan über jedem Wikipedia-Artikel der „Buchgenerator“ zu finden. Mit diesem können Sie nahezu beliebig viele Artikel zu einem E-Buch zusammenstellen. Am Ende klicken Sie auf „Buch zeigen“ und erzeugen dann entweder ein PDF oder wählen die Klartexteinstellung. Beide lassen sich gut auf dem Kindle lesen. Eine Reihe fertiger Bücher gibt es auch unter http://de.wikibooks.org.

Noch etwas eleganter geht es mit dem Webdienst www.ereadups.com. Dieser bereitet die Inhalte Kindle-gerecht auf und verschickt sie direkt an den Reader.

 

Wörterbücher auf dem Kindle anpassen und tauschen

Wichtig ist es, das Prinzip der Dienste zu verstehen. Von den drei Bestandteilen Lexikon (Wikipedia), Wörterbuch (Duden) und Übersetzung (Bing) können Sie nur in einen aktiv eingreifen. Das Lexikon und der Übersetzungsdienst sind nicht austauschbar. Die Wörterbücher jedoch lassen sich deutlich erweitern und der Kindle damit aufwerten.

Wer zum Beispiel die direkte Übersetzung ohne Umweg über Bing und das Internet vorzieht, kann ein externes Wörterbuch installieren. Wörterbücher sind für einen kleinen Betrag direkt bei Amazon zu erstehen. Allerdings haben sich auch leistungsfähige Gratis-Alternativen herausgebildet. Eine dieser Alternativen ist das Werk des Bloggers Michael Sheldon, der in Eigenarbeit ein Englisch-Deutsch-Wörterbuch gebastelt hat. Runterladen kann man das Werk unter www.kindle-tipps.de/ufvt. Um das Wörterbuch zu nutzen, welches immerhin 160.000 Einträge enthält, reichen wenige Schritte aus.

Ein Wörterbuch kann immer nur einer Sprache zugeordnet werden. Wenn Sie also unter „Deutsch“ ein Deutsch-zu-Englisch-Buch eintragen, funktioniert die Übersetzung auch nur in dieser Richtung. Um dann zusätzliche englische Begriffe ins Deutsche zu übersetzen, müssen Sie ein zweites Wörterbuch (Englisch-Deutsch) installieren und dieses in den Sprach-Einstellungen unter „Englisch“ eintragen.

Empfehlenswerte Wörterbücher

Der Autor bietet über seinen Blog (http://blog.mikeasoft.com) auch Wörterbücher in anderen Sprachen an, wobei die Installation immer gleich abläuft. Für den Alltagsgebrauch reichen die Gratiswörterbücher aus. Für speziellere Wörter und gehobene Ansprüche muss man aber, wie erwähnt, mit einem gekauften Wörterbuch nachhelfen. Doch welche sind empfehlenswert? Als Empfehlung gilt allgemein „Das große Wörterbuch Englisch-Deutsch mit 250.000 Einträgen“ (www.kindle-tipps.de/c9m6), welches zudem recht günstig ist. Wer etwas tiefer in die Tasche greifen möchte, kann zum „Collins Concise English-German Dictonary“ (www.kindle-tipps.de/c5su) greifen, dessen Printausgabe einen exzellenten Ruf genießt.

Noch ein Tipp: Um den Überblick über die Wörterbücher zu behalten, empfiehlt sich einmal mehr die „Mein Kindle“-Seite. Rufen Sie die Seite „Meine Inhalte“ auf, sofern diese nicht schon angezeigt wird. In der Leiste oben können Sie nun per Filter alle Titel bis auf Wörterbücher und Bedienungsanleitungen ausblenden. Die (Synonym-)Wörterbücher anderer Sprachen stellt Amazon gratis bereit. Beachten Sie bitte auch die Wörterbuch-Funktionen, die Ihnen beim Lernen einer Sprache zur Verfügung stehen. Mehr dazu auf der übernächsten Doppelseite.

 

Schritt für Schritt: Wörterbücher installieren

Laden Sie ein Wörterbuch herunter, beispielsweise eines von Michael Sheldon (blog.mikeasoft.com). Kopieren Sie dieses per USB auf Ihren Kindle.

 

Rufen Sie das „Menü“ auf, dann „Einstellungen“, „Geräteoptionen“ und „Sprache und Wörterbücher“. Bei „Wörterbücher“ können Sie für jede Sprache das Standard-Wörterbuch für die Übersetzung festlegen.

 

Da ein Wörterbuch immer nur für eine Richtung festgelegt werden kann, wählen Sie für ein Englisch-Deutsches-Wörterbuch „Englisch“ und dann das Wörterbuch.

 

Fazit: Tolino vs. Kindle

Der Kindle ist in puncto Nachschlagewerke eindeutig umfangreicher als der Tolino ausgestattet. In seiner dreigeteilten Wissensbasis aus Lexikon (Wikipedia), Wörterbuch und Duden hat er gegenüber dem Konkurrenzgerät die Nase vorne. Allerdings können die Nachschlagewerke nicht gleichzeitig genutzt werden und in einem Wörterbuch kann nur in eine Richtung übersetzt werden, beispielsweise vom Französischen ins Deutsche. Will man auf die Schnelle einen Begriff andersherum übersetzen, muss man dafür dann das andere Wörterbuch Deusch – Französisch aufrufen.

Das wiederum funktioniert beim Tolino einfacher. Wählt man die Funktion “Übersetzen” kann man im nächsten Menüpunkt festlegen, in welche Sprache und in welche Richtung übersetzt werden soll. Ändert sich nichts, kann man die Einstellung beibehalten. Wünscht man es anders, lässt sich das mit einmal Tippen bewerkstelligen. Auch können Sie auf dem Tolino ganz leicht von “Übersetzen” zu “Nachschlagen” wechseln, da beim Markieren eines Wortes das entsprechende Auswahlmenü aufpoppt.

Der Kindle hat das größere Nachschlagevolumen, schon allein durch das Lexikon, das dem Tolino fehlt. Es ist jedoch auf dem Kindle umständlicher, zwischen den einzelnen Nachschlagwerken zu wechseln. Der Tolino hat eine Übersetzungs- und eine Duden-Funktion (auch wenn sie nicht so genannt wird), zwischen denen, wenn es denn sein muss, bei jedem Wort gewechselt werden kann. Welches System sich besser eignet, hängt stark vom Nutzungsverhalten ab: Möchte ich auf dem E-Book-Reader hauptsächlich fremdsprachige Bücher lesen, bei der ausschließlich die Übersetzungsfunktion wichtig ist? Lege ich Wert darauf, schnell zwischen Übersetzung und Erklärung wechseln zu können? Brauche ich während des Lesens auf dem Reader überhaupt ein Lexikon?

Für weitere Disziplinen beim Vergleich Kindle vs. Tolino sehen Sie bitte auch diesen Artikel.

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