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Test: Kindle Oasis

Der Kindle Oasis ist anders. Das fängt beim Preis von 290 Euro und mehr an und endet nicht erst mit dem ungewöhnlichen Design. Ist der teure E-Book-Reader eine Bereicherung oder schlicht ein PR-Coup von Amazon? Wir haben den neuen Premium-E-Reader getestet und unsere ganz eigene Sicht auf die Dinge.

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4.0 von 5 Sternen(390 Stimmen)

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Kindle-typische Ausstattung

Wer bereits einen Kindle besitzt, wird sich beim Lieferumfang zunächst die Augen reiben. Eine winzige Verpackung, in der neben dem Gerät nur ein Micro-USB-Kabel sowie eine Kurzanleitung liegt? Dafür 290 Euro? Nach einem kurzen Durchatmen fällt immerhin die formschöne Lederhülle auf, die bei jedem Kindle Oasis bereits dabei ist. Beim Kauf hat der Kunde die Wahl zwischen drei Farben: Schwarz, braun oder rot. Die Farbwahl betrifft aber lediglich die Hülle, der Kindle Oasis ist im bekannten mattschwarz gehalten.

Aber halt: Die beigelegte Kindle-Hülle ist keine einfache Schutzhülle. Ein integrierter Akku sorgt für eine Verbesserung der Akkulaufzeit. Der Hüllen-Akku lädt sich immer nur dann auf, wenn der Kindle Oasis in der Hülle sitzt. Eine Magnetvorrichtung sorgt für die richtige Verbindung und einen festen Sitz.

Die Hülle und der Oasis, ein Dreamteam?

An der Verarbeitungsqualität der Hülle lässt sich in unseren Augen wenig bis nichts aussetzen. Das verarbeitete Leder fühlt sich nicht nur hochwertig an, es sieht auch klasse aus. Sogar der Geruch ist angenehm, ein Detail, welches bei vielen Kindle-Hüllen die mangelhafte Qualität offenbart. Dass die Schutzhülle dem Kindle Oasis wie angegossen passt, versteht sich von selbst.

Natürlich wird der zierliche E-Reader dadurch größer und etwas schwerer. Aber bereits nach kurzer Zeit wollen wir uns den Oasis trotzdem nicht mehr ohne Hülle vorstellen. Etwas unverständlich für uns ist allerdings, dass die Hülle an der Rückseite drei bis vier Zentimeter offen ist. So ist die Schutzfunktion ein wenig eingeschränkt. Der Grund liegt wohl im Design des E-Readers.

Kindle Oasis plus Hülle

Kindle Oasis plus Hülle

Der Kindle Oasis selbst ist zunächst ein seltsamer Anblick. In einer sehr symmetrischen Welt ist er die Unkonstante. Das beginnt damit, dass der Bildschirm nicht in der Mitte des Geräts sitzt. Da der E-Reader auf einhändiges Lesen ausgerichtet ist, ist der rechte Rand mit rund zwei Zentimetern etwas breiter als der linke Rand mit rund einem Zentimeter (kleine Entwarnung an dieser Stelle für Linkshänder: Der Kindle Oasis lässt sich genau so gut anders herum halten).

Dieses ungewohnte Bild setzt sich an der Rückseite fort. Auf der rechten Seite ist der Kindle Oasis dicker als auf der linken (8,5mm zu 3,4mm). Das Material der Rückseite begeistert uns. Der Oasis ist nicht nur außerordentlich griffig, sondern auch sehr angenehm anzufassen. Auch Puristen werden eingestehen müssen: Angenehmer als ein echtes Buch.

Federleichter Winzling

Ohne Hülle ist der Kindle Oasis sehr klein. Mit 143 x 122 x 3,4 bis 8,5mm ist er der bisher kleinste Kindle E-Reader. So ist er zum Beispiel 2,5 Zentimeter kürzer als der Kindle Paperwhite. Was nach wenig klingt, ist im direkten Vergleich bereits enorm.

Die Größe wirkt sich natürlich auch auf das Gewicht aus. Ohne Hülle bringt der Oasis gerade einmal 131g auf die Waage (Paperwhite: 205g, Voyage: 180g). Gerade bei langen Lesesessions ist diese Gewichtersparnis eine Wonne. Aber: Wer den Kindle Oasis vorwiegend mit Hülle verwendet, kann gut 100g addieren. Zwar sind wir der Meinung, dass die Hülle dazugehört, allerdings verwenden viele E-Book-Enthusiasten andere E-Book-Reader ebenfalls mit Hülle.

Kindle Oasis von der Seite

Kindle Oasis von der Seite

Neue alte Wege bei der Bedienung

In einer Touchscreen-Welt sind die haptischen Blättertasten des Kindle Oasis eine Wohltat. Gerade Touchneulinge werden die Tasten, die einen exzellenten Druckpunkt haben, begrüßen. Allerdings erfolgt die sonstige Navigation per kapazitiven Touchscreen, was auch sehr gut und schnell funktioniert. Ist man einmal am Lesen, benötigt man schließlich fast nur noch die Blättertasten. Die einzig weitere Taste (die Power-Taste) befindet sich am Geräterücken, genau so wie der Mini-USB-Anschluss.

Power-Knopf und USB-Anschluss finden sich beim Oasis an der Unterseite

Power-Knopf und USB-Anschluss finden sich beim Oasis an der Unterseite

Die Menüs sind Kindle-typisch erstklassig. Die gewohnte Kindle-Oberfläche hat sich mittlerweile bewährt und wurde von Amazon immer weiter optimiert. Auch Neulinge finden sich zwischen Bibliothek, Shop und Einstellungen problemlos zurecht. Werbung ist vom Kindle Oasis übrigens komplett verbannt worden. Wörterbücher, X-Ray, andere Schriftarten (zwei mehr als beim Kindle Voyage) und Schriftgrößen – der Kindle Oasis lässt hinsichtlich der Zusatzfeatures wenig vermissen.

Die PDF-Anzeige funktioniert ganz ordentlich, ersetzt aber nach wie vor kein Tablet. Etwas Kritik müssen wir am Webbrowser üben, der zwar ordentliche Ergebnisse liefert, sich aber seit Jahren bereits im Betastadium befindet. Auch in diesem Bereich ist der E-Reader keine Konkurrenz zu einem Tablet, selbst wenn es nur darum geht einen Online-Artikel zu lesen. Die Arbeitsgeschwindigkeit ist trotz begrenztem Arbeitsspeicher (512 Megabyte) in jedem Gebiet absolut ausreichend. Wie von Amazon gewohnt, gibt es vier Gigabyte Speicherplatz für tausende E-Books von denen knapp 2,7 Gigabyte frei belegbar sind. Erweiterbar ist der Speicherplatz nicht, in die Cloud lassen sich aber Dateien und E-Books auslagern.

Display-Held

Auf dem Papier gibt es zwischen Oasis und Voyage hinsichtlich des Bildschirms keine Unterschiede. 1448 × 1072 Pixel, 6 Zoll und 300 ppi – das klingt nur zu bekannt. In der Praxis stört uns das dagegen nicht. Der Kindle Voyage bot bereits ein nahezu perfektes Lesebild – und der Kindle Oasis tut das ebenfalls. Mit minimaler Beleuchtung (die sich sogar ganz abschalten lässt) sieht man allerdings quasi keinen Unterschied zwischen den Geräten. Ist der Aufpreis also nicht gerechtfertigt?

Insgesamt ist der Oasis dem Voyage trotzdem ein Stück voraus, denn die Beleuchtungsqualität sowie die maximale Helligkeit sind besser. Das wirkt sich beim Lesen im Licht deutlich sichtbar aus. Der Kindle Oasis kann die Lesequalität bei direkter Sonneneinstrahlung fast halten, jeder andere E-Reader den wir kennen kann das nicht – zumindest nicht so gut. Auch wenn sich das Display hinsichtlich Kontrast und Co. nicht sonderlich von der Konkurrenz absetzen kann, ist der Gesamteindruck ein anderer: Der Kindle Oasis hat das beste Display der gesamten Branche.

Keine Strom- aber Hüllenabhängigkeit

Das geringe Gewicht des Kindle Oasis wird unter anderem mit einem minimalistischen Akku erreicht. Laut Amazon kann damit bis zu zwei Wochen gelesen werden. Ein sehr optimistischer Wert. Nach sechs bis acht Stunden Dauerlesen ist bereits Schluss. Aber es gibt ja noch die Hülle. Mit angeschlossener Hülle vervier- bis verfünffacht sich die Akkulaufzeit mindestens.

Rechnet man die Hülle für die Gesamtlaufzeit hinzu, kommt der Kindle Oasis auf eine der besten Akkulaufzeiten in der Branche. Ist das fair? Das muss jeder selbst beurteilen. Da wir Hülle und Reader als Duo bewerten, können wir dem Reader aber eine sehr gute Laufzeit bescheinigen.

Fazit zum Kindle Oasis

Ein neues iPhone kostet gut und gerne 800 Euro, gute Smartwatches sind vorwiegend im Preissegment 500 Euro und mehr zu finden. Was dieser Vergleich mit dem Kindle Oasis zu tun hat? Nun, die besten Geräte aus einem Bereich sind teurer als ihre Herstellungskosten, sie bieten etwas, was sonst nirgends zu finden ist. Sie sind die Meister ihrer Klasse und die Antwort, ob der jeweilige Preis dafür gerechtfertigt ist, kann nur einer geben: der Kunde.

Was wir sagen können: Der Kindle Oasis ist der beste E-Reader auf dem gesamten Markt. Er ist leicht und ausdauernd (allerdings nicht gleichzeitig) und hat das beste Display. Natürlich bringt er aber auch die gewohnten Amazon-Schwächen (nur Amazon-tauglich, nicht erweiterbar, geringer Lieferumfang) mit. Für uns am überraschendsten: Die Haptik ist ein echter Gewinn, obwohl oder gerade weil sie sich von anderen Geräten unterscheidet. Der Kindle Oasis ist ein mutiger Schritt von Amazon und – den Preis außen vorgelassen – ein Schritt in die richtige Richtung.

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4.0 von 5 Sternen(390 Stimmen)

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Noch einmal die wichtigsten Daten im Überblick:

  • Bestes Display aller getesteten E-Book-Reader
  • Großzügiger Speicher
  • Klein und leicht
  • Lange Akkulaufzeit dank integrierter Hülle
  • auch für Linkshänder geeignet
  • Sehr teuer
  • Kein Sound
  • Kein Epub-Support

 

Kurzvorstellung Kindle Oasis (kein Test)

(Bildquellen: Amazon, eigene)

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